Wilde Nachbarschaft

Über das Miteinander von Menschen und Wildtieren in urbanen Siedlungen

[…] Verabschieden sollte sich der Mensch von der Idee, die Stadt gleiche einem hermetisch abgeriegelten Siedlungsgebiet, indem nur Daseinsberechtigung hat, wer ordentlich Miete zahlt, angemeldet ist, sich brav an die Kehrwoche hält und unter gegenseitiger nachbarschaftlicher Aufsicht den Müll gewissenhaft trennt. In der Stadt lebende Wildtiere haben eigene Bedürfnisse und Rhythmen, die den Puls ihres Alltags bestimmen und nicht selten dem zutiefst menschlichen Wunsch nach Sicherheit, Ordnung und Kontrolle entgegenstehen. Die Vorstellung, Wildtiere würden das vermeintlich naturfeindliche Stadtgebiet mit seinen versiegelten Flächen, Verkehrsrisiken, Lärm und Schmutz der vertrauten Waldidylle und der grünen Flur vorziehen, erschüttert auch ein bisschen unsere romantische Naturvorstellung. Wo kommen wir hin, wenn selbst schon Füchse lieber auf Parkplätzen rumstreunen, Krähen sich von denen ernähren, die im städtischen Verkehr unter die Räder gekommen sind, und Singvögel kühle Hauswände als Nistplätze der idyllischen Ruhe auf einem einsamen Baumast vorziehen? Aus evolutionstheoretischer Sicht allerdings sind in der Stadt lebende Wildtiere die Macher in der Fauna, die talentiert genug waren, um sich innerhalb kürzester Zeit an durch den Menschen veränderte Lebensräume anzupassen, und nun sogar einen Nutzen daraus zu ziehen. […]

Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehe ich von deinem Einverständnis aus. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen