Entscheidungen treffen: So klappt’s

Was Entscheidungen treffen für dich bedeutet: Eine wertvolle Chance. Knobelspaß. Freude am Denken. Selbstbestimmung. Mutiges Handeln.

Naja, schön wär’s.

Sind es doch eher schlaflose Nächte und stille Verzweiflung, die du mit dem Entscheiden verbindest? Tage und Nächte, in denen du grübelst und haderst. Pro- und Contra-Listen anlegst und in Chat-Foren und Ratgeberartikeln nach Leidensgenossen suchst.

Die Fülle an Möglichkeiten breitet sich vor dir aus wie ein großer bunter Teppich. Statt Freude darüber spürst du nur dieses Ich-weiß-nicht-was-ich-tun-soll-Gefühl.

Dieser Artikel ist für dich, wenn du es satthast, dich von deinen Selbstzweifeln und Grübeleien blockieren zu lassen. Wenn du dich zügig entscheiden willst, dich aber regelmäßig in deinen Möglichkeiten verhedderst.

Souveräne „Entscheider“ sind nicht nur Top-Manager, die Milliardenbudgets großer Konzerne händeln. Du bist die Chefin in deinem Leben. Sag Ade zur Qual der Wahl und Hallo zur Entschlussfreude. Entscheiden ist toll, denn …

… du übernimmst die Regie in deinem Leben. Wer entscheidet, schreibt den Plot. Mit jedem Entschluss kommst du einen Schritt weiter.

… wo sich vorher alles um die wichtige Entscheidung drehte, ist jetzt wieder Luft für andere Themen und Gedanken, die dir mindestens genauso wichtig sind.

… dadurch ist Schluss mit Spekulationen. Belastende Was-Wenn-Gedanken haben ein Ende und du kannst dich mit dem auseinandersetzen, was wirklich ist.

Ich zeige dir eine Entscheidungstechnik und gebe dir weitere Tipps, wie du in Zukunft schneller Klarheit gewinnst und Entscheidungen fällst, die zu dir und deinen Bedürfnissen passen.

Aber erst mal, warum fällt dir das Entscheiden so schwer?

Beim Entscheiden schauen wir in einen Spiegel

In Entscheidungsprozessen kommen wir intensiv mit uns selbst ins Gespräch. Wir schauen in den Spiegel und sehen Selbstzweifel, Sehnsüchte und vor allem Ängste und alte Verletzungen.

Eine innere Abrechnung, die oft schonungsloser und kritischer ist als jede Kommentarspalte.

Ich glaube, Entschlüsse treffen ist gerade deswegen ein unliebsames Thema, weil wir merken, wo es zwickt , wo wir etwas verändern sollten, es uns aber selbst kaum zutrauen.

Oft übersehen wir, was wir wuppen können. Dann überwiegen nagende Selbstzweifel wie:

  • Schaff ich das überhaupt?
  • Bevor ich das in Angriff nehme, muss ich erst noch … (Hürden finden wir immer)
  • Was, wenn mich die Entscheidung unglücklich macht?
  • Was werden die anderen sagen, wenn ich scheitere?
  • 75 Prozent der Menschen, die mir gerade einfallen, können das besser als ich.

Diese Denkansätze haben eins gemeinsam. Sie halten uns davon ab, mutige Entscheidungen zu treffen.

Veränderung – nein, danke!

Tatsächlich sind auch unsere Gene schuld an unserer Unlust, Veränderungen – die meisten Entscheidungen sind das nun mal – in unser Leben zu lassen. Unsere Gehirne stammen noch aus der Steinzeit.

Für unsere Ahnen war es wichtig, an Routinen festzuhalten, um nicht hinter dem nächsten Felsvorsprung als Säbelzahntigerbeute zu enden. Deswegen war es sinnvoll, bekannte Verhaltensmuster zu bewahren und sich neuen Praktiken und Wegen zu verschließen.

Zu hoch das Risiko.

Auch wenn du längst ein warmes Bett, fließendes Wasser und genug Nahrung zur Verfügung hast, dein Steinzeitgehirn hat sich noch nicht daran gewöhnt. Bei der kleinsten Ungewissheit wittert es Lebensgefahr.

Um keine Zeit zu verlieren und dich vorm Angriff des Säbelzahntigers zu schützen, schlägt dein Gehirn ein paar simple Lösungen vor. Es sagt dir: „Fliehe und versteck dich oder – verdammt nochmal! – kämpfe!“

Kommt dir bekannt vor? Diese archaischen Muster machen dir auch Entscheidungen schwer. Wie gern würdest du manchmal den Kopf in den Sand stecken und abwarten? Oder vor Entscheidungen weglaufen.

Dein Gehirn rät dir auch, dich artig in deine Gruppe einzufügen, damit du sicher bist vor Raubtierangriffen, Hunger, Kälte und Einsamkeit. Deswegen fällt es dir schwer, die Erwartungen deiner Arbeitskollegen und Lieblingsmenschen zu enttäuschen.

Dein Drang, es anderen recht zu machen, liegt also nicht nur an deiner guten Kinderstube.

Entscheidungen treffen überfordert das bewusste Denken

Schön wäre es doch, wenn unser bewusster Verstand diese hinderlichen Automatismen ausgleichen würde. Pustekuchen!

Unser Arbeitsgedächtnis ist in der Lage circa fünf einfache Informationen gleichzeitig im Kopf zu behalten. Konzentrieren können wir uns nur auf ein oder zwei Dinge.

Alles, was darüber hinausgeht, überreizt unsere Aufmerksamkeit. Die schießt dann so unberechenbar zwischen den einzelnen Aspekten hin und her wie die Spielkugel im Flipperautomaten.

Wenn wir uns entscheiden wollen, läppern sich selbst bei nur zwei Optionen eine Menge Informationen zusammen. Daten, die wir mithilfe des bewussten Denkens nicht fix bewältigen können.

Was tun?

Warum deine Intuition die klügsten Entscheidungen trifft

Innerer Kompass, Bauchgefühl. Eingebung. Intuition.

Egal, wie du es für dich benennst, du besitzt wertvolles Wissen, auf das du mit deinem bewussten Denken nicht zugreifen kannst. Alle Erfahrungen, die du in deinem Leben bewusst machst, speichert dein Gehirn im Vorbewussten ab.

Das meiste davon vergisst du, aber das implizite Wissen verdichtet sich zu dem, was wir Intuition nennen.

Sobald du vor einer Entscheidung stehst, gleicht dein Gehirn ab, welche Erfahrungen du in ähnlichen Situationen gemacht hast. Dein Körper teilt dir mit, was Sache ist. Ein toller natürlicher Mechanismus!

Entscheiden in 3 einfachen Schritten

Ich habe eine nützliche Entscheidungshilfe gefunden – eine Technik, die dir schneller Klarheit gibt, indem sie dein bewusstes Denken und deine Intuition verbindet.

Der Linguist Carl Naughton schlägt in seinem Buch „Denken lernen – Entscheiden, urteilen und Probleme lösen, ohne in die üblichen Dankfallen zu tappen“ einen mentalen Dreisprung vor.

So geht’s:

1. Analysiere deine Entscheidungssituation

Horche in dich hinein und überlege, was du mit deiner Entscheidung erreichen willst.

Was ist dein Ziel?

Schau dir jetzt die Optionen an, mit denen du dieses Ziel erreichen kannst.

Spürst du den Drang, deine Liste um noch mehr Entscheidungsmöglichkeiten zu ergänzen? Dann sitzt du dem populären Irrglauben „Viel hilft viel“ auf.

Statt vorhandene Lösungen zu erforschen, stürzen wir uns lieber in die Suche nach noch mehr ungeahnten Möglichkeiten. Unsere Hoffnung: „Wird schon was dabei sein“.

Meine Interpretation: pure Vermeidungshaltung.

Wir tun alles dafür, um das Unangenehme – die Entscheidung – so lange wie möglich hinauszuzögern. Indem wir fleißig recherchieren, geben wir uns das Gefühl, fast streberhaft auf unser Ziel hinzuarbeiten.

Dabei wird die Entscheidung für und damit auch gegen etwas, dadurch nur noch zermürbender und zeitraubender.

Statt dich auf die endlose Suche nach noch mehr Möglichkeiten zu machen, empfiehlt Naughton sich die vorhandenen Entscheidungsoptionen vorzuknöpfen. Lösungen, die nicht infrage kommen, sollst du konsequent herausstreichen.

Übrig bleibt eine kleine Auswahl an sinnvollen Lösungen, die du nun verinnerlichen kannst.

2. Nimm dir Zeit, um Informationen sacken zu lassen

Viele gute Entscheidungen passieren nebenbei – beim Zähneputzen oder Autofahren.

Denn während du arbeitest oder banalen Alltagskram erledigst, gleicht dein Gehirn deine vorhandenen Erfahrungen mit dem aktuellen Problem ab.

Du entwickelst ein Gefühl für die richtige Entscheidung.

Alles, was du dafür brauchst, ist genügend Zeit, die du im Notfall auch bei anderen einfordern solltest. „Lass mich bitte noch eine Nacht drüber schlafen.“ oder „Gebt mir noch ein paar Tage Zeit, mich zu entscheiden.“ sind legitime Wünsche, die zu klügeren Entscheidungen führen.

3. Entscheide mit dem Bauch

Letztlich solltest du bei Entscheidungen vor allem deinem Bauchgefühl vertrauen. Das kannst du sogar wortwörtlich nehmen.

Zieht sich dein Bauch zusammen, sobald du an eine Option denkst? Wirst du bei einer anderen Möglichkeit ganz flattrig und beschwingt?

Du weißt, was zu tun ist.

Noch ein Tipp: Menschen unter Stress oder mit mieser Laune treffen laut Studien die schlechteren Entscheidungen. Vertage deinen Entschluss lieber, wenn du deprimiert oder überlastet bist.

Weitere Tipps, die dich beim Entscheiden unterstützen

Schön und gut, das alles. Aber manchmal ist es festgefahren. Du fühlst dich blockiert, verwirrt und dein Bauchgefühl spricht mindestens eine Fremdsprache. Was tun?

Die folgenden Tipps helfen dir, aus dem Grübeln ins Handeln zu kommen:

Tipp 1: Morgenstund hat Gold im Mund

Wichtige Entscheidungen auf die ruhigen Abendstunden schieben?

Schlechte Idee.

Studien belegen, dass du mit jeder wachen Stunde entscheidungsmüder wirst. Denn Entscheiden braucht deine Willenskraft. Die sinkt aber wie der Akku deines Smartphones im Laufe des Tages ab.

Entscheide dich also besser morgens mit voller Kraft.

Tipp 2: Sei realistisch

Wenn ich Angst habe, das Falsche zu tun oder mich vor einer unangenehmen Entscheidung drücke, gebe ich mir eine mentale Beruhigungspille. Ich frage mich:

Was ist das Allerschlimmste, das passieren kann? Wie wahrscheinlich tritt das ein? Würde ich das überleben?

Diffuse Ängste schrumpfen so auf eine angemessene Größe. Und Entscheidungen fallen leichter.

Tipp 3: Hol dir Unterstützung

Wenn du ein Problem Stück für Stück zerpflückst, kannst du schnell die Übersicht verlieren. Kaum hast du dich für eine Lösung entschieden, trauerst du anderen Optionen hinterher.

Ein Blick von außen bringt Klarheit.

Deswegen kann eine weitere Person – dein Partner, ein guter Freund, ein Coach – helfen, deine Optionen besser einzuschätzen.

Tipp 4: Hinterfrage, warum dir die Entscheidung schwerfällt

Hast du wirklich Probleme mit der Entscheidungsfindung oder halten dich andere Motive davon ab, klare Entschlüsse zu fassen?

Hier solltest du radikal ehrlich mit dir sein.

Gründe, die dich davon abhalten können, zu einer Entscheidung zu stehen, die du innerlich schon längst getroffen hast:

  • Du rechnest mit Gegenwind von Freunden, Familie, Partner oder Geschäftspartnern. Klar, es ist schwer dein Ding durchzuziehen, wenn dir die moralische Unterstützung von außen fehlt.
  • Aufgrund deiner Entscheidung musst du dich von Menschen oder Ideen trennen. Wir sind darauf programmiert, Unangenehmes zu vermeiden. Deshalb kann es gut sein, dass Herz und Kopf sich schon längst entschieden haben, du aber noch Mut sammeln musst, um es durchzuziehen.
  • Auf gar keinen Fall, willst du egoistisch sein! Mit deinen Entscheidungen willst du vor allen Dingen bewirken, dass es anderen gut geht. Aber wie geht’s dir damit?

Wenn du solche oder ähnliche Hintergedanken entlarvst, ist dein Problem weniger Entscheidungen zu treffen, als sie entschlossen durchzuziehen. Da hilft nur Mut.

Tipp 5: Nimm dein Bauchgefühl ernst

Nachdem Udo Lindenberg mit der Hoffnung auf eine ordentliche Rendite 100.000 DM bei Jürgen Harksen, einem vermeintlichen Investor, anlegte, machte er über Nacht einen Rückzieher.

Ihm kamen Zweifel und erhielt sein Geld anstandslos zurück.

Sein Bauchgefühl hat ihn davor bewahrt, sich auf einen Betrüger einzulassen, der es mühelos geschafft hatte, Hundertschaften das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Kennst du das auch, dass du dich in letzter Sekunde auf dein Bauchgefühl besinnst? Oder übergehst du deine Gefühlsregungen lieber, weil du deinem Verstand mehr traust?

Ich habe durch Trial und Error gelernt, wie wertvoll meine Eingebungen sind. Was nicht heißt, dass dieser innere Kompass für jeden gleichermaßen zuverlässig ist. Ich kenne Menschen, denen es verdammt schwerfällt, in sich hineinzuhorchen.

Deswegen rate ich dir, das eigene Baugefühl mindestens ernst zu nehmen.

Wenn deine Intuition dir Hinweise gibt, schau sie dir genau an, anstatt sie wegzurationalisieren. Falls du deinem Bauchgefühl keinen Meter über den Weg traust, überleg dir, was dahinter steckt.

Grübelst du noch oder entscheidest du schon?

Vielleicht hat dir der ein oder andere Tipp geholfen, gelassener und strukturierter an Entscheidungen heranzugehen.

Am wichtigsten finde ich, überhaupt den Mumm zu haben, sich zu entscheiden. Nur so machst du aus Wünschen Wirklichkeit.

Wie siehst du das?




2 Kommentare

Teile deine Gedanken zum Artikel!

VanessaAntworten
19. Mai 2019 um 1:23 pm

Hi Elisa,
das ist ein wunderbarer Beitrag und trifft den Nagel auf den Kopf. Gerade ich kenne von mir diese Ausrede „Ich brauche noch mehr Informationen“ – damit will ich mir selbst Zeit verschaffen, eine Entscheidung zu treffen, die es eigentlich schon gibt. Aber die Finalität macht dann doch noch immer etwas Sorge. Deswegen rufe ich mir immer wieder das Zitat von Thomas Edison „Es ist besser, unvollkommen anzupacken, als perfekt zu zögern.“ ins Gedächtnis. In Kombination mit der Intuition sollte dann eigentlich nichts mehr schief gehen. Aber auch das ist ein Lernzprozess, zumindest für mich, weil ich ihr oft nicht vertraut habe in der Vergangenheit, sondern alles rational entscheiden wollte. Ich war lange der Meinung, dass das der einzig sinnvolle Weg ist.
Aber es geht voran und bleibt spannend. Einen tollen Blog hast du!
Liebe Grüße!

EliseAntworten
20. Mai 2019 um 8:33 pm
– Als Antwort auf: Vanessa

Hallo liebe Vanessa,
danke für deinen lieben Kommentar. Das Zitat von Edison ist auch super. 🙂 Ich hab eher das Problem, dass ich mich manchmal zu schnell entscheide und Feinheiten dabei übersehe.

Intuition wurde lange Zeit unterschätzt. Aber gerade Menschen, die jeden Tag schnell viele Entscheidungen treffen müssen, kommen gar nicht ohne sie aus. Vielleicht wächst deine Intuition, wenn du ihr Vertrauen schenkst und dadurch mehr positive Erfahrungen sammeln kannst. Übrigens gibt es von mir ab dem 17. Juni einen Beitrag zum Thema Intuition im Zuge der Blogparade „Lieber glücklich von A bis Z“. Du findest den Post dann dort: https://www.lieber-gluecklich.de/blog/

Denke, das könnte spannend für dich sein! Freue mich riesig, dass mein Blog dir gefällt 😀

Liebe Grüße

Elise

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